Mehr Frauen in Führungspositionen schafft Wirtschaftswachstum
Wenn Frauen und Männer in den Führungspositionen der Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche in einem ausgewogenen Verhältnis vertreten wären, würde dies Wachstum schaffen – dies geht aus einem neuen Bericht hervor, den die Europäische Kommission heute vorgelegt hat. Dem Bericht wird eine neue Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter folgen, die die Europäische Kommission im Laufe des Jahres annehmen wird.
Nur jedes zehnte Aufsichtsratsmitglied der größten börsennotierten Unternehmen Europas ist eine Frau, und alle Zentralbanken in der EU haben einen männlichen Präsidenten.
Der Bericht „Mehr Frauen in Führungspositionen – der Schlüssel zu wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum” zeigt, dass Frauen bei wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen auch weiterhin stark unterrepräsentiert sind. In den Aufsichtsräten der größten börsennotierten Unternehmen in Europa sitzen zu fast 89% Männer. Der Unterschied ist an der Unternehmensspitze am größten: Nur 3 % der börsennotierten Unternehmen werden von einer Frau geführt. Norwegen ist das einzige Land, das dank einer Frauenquote ein annähernd ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Aufsichtsräten der größten börsennotierten Unternehmen vorweisen kann: 42 % Frauen und 58 % Männer.
Gleichzeitig geht aus mehreren Studien hervor, dass sich ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis auszahlt und eine positive Korrelation zwischen dem Anteil von Frauen in den Führungspositionen eines Unternehmens und der Unternehmensleistung besteht. So kam beispielsweise eine in Finnland erstellte Studie zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit einer geschlechtermäßig ausgewogenen Unternehmensführung im Schnitt 10% mehr Gewinn erzielen als Unternehmen mit einer ausschließlich männlichen Unternehmensführung.
Teilhabe der Frauen am politischen Entscheidungsprozess: Im Europäischen Parlament ist das Geschlechterverhältnis mit 35 % Frauen und 65 % Männern seit den ersten Direktwahlen im Jahr 1979 am ausgewogensten. Der Anteil der weiblichen Abgeordneten in den nationalen Parlamenten (eine oder zwei Kammern) in Europa insgesamt ist von 16 % im Jahr 1997 auf 24 % im Jahr 2009 angestiegen. Allerdings liegt dieser Anteil noch weit unterhalb der so genannten kritischen Masse von 30 %, ab der Frauen spürbar Einfluss auf die Politik nehmen können. Der Frauenanteil in den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten nimmt beständig zu und liegt derzeit bei 27 %. Die Europäische Kommission umfasst neun weibliche (33 %) und achtzehn männliche (67 %) Kommissionsmitglieder, dies ist das ausgewogenste Geschlechterverhältnis, das je erreicht worden ist. 1994/1995 lag der Frauenanteil der Europäischen Kommission bei 5,6 %.
Bei einer jüngeren Eurobarometer-Umfrage zum Anteil der Frauen und Männer in den nationalen Parlamenten antwortete mehr als die Hälfte der befragten Europäer (55 %), dieses Thema müsse „dringend“ angegangen werden. Vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise nimmt die Rolle der Frauen in Unternehmen weiter an Bedeutung zu. Um die Krise zu überstehen, brauchen die Betriebe eine erstklassige Unternehmensführung; ferner müssen sie die talentiertesten und kompetentesten Bewerber(innen) anziehen. Einer unter schwedischem EU-Ratsvorsitz erstellten Studie aus dem Jahr 2009 zufolge könnte die Beseitigung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei der Beschäftigung in den EU-Mitgliedstaaten zu einem Anstieg des BIP um 15 % bis 45 % führen (siehe Anhang).
Um zu einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern in Führungspositionen in allen Bereichen und auf allen Ebenen zu gelangen, ist daher rascher Fortschritt vonnöten. Mit der „Charta für Frauen” vom 5. März diesen Jahres (IP/10/237) hat die Kommission ihr verstärktes Engagement für eine Gleichstellung von Frau und Mann in sämtlichen Politikbereichen der EU bekräftigt. Zur Umsetzung der Charta wird die Kommission im Laufe dieses Jahres eine neue Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter annehmen, zu deren Kernprioritäten die Förderung der Gleichstellung in Entscheidungspositionen zählen wird.
Die Verbesserung der Gleichstellung von Frau und Mann in Führungspositionen kann unter anderem mit Hilfe folgender Maßnahmen erreicht werden: Erstellung von Plänen für die Gleichstellung am Arbeitsplatz, Festlegung von Zielen und regelmäßige Kontrollen, Formeln zur besseren Vereinbarkeit von Arbeitsleben und Privatleben, Förderung weiblicher Vorbilder, Mentoringprogramme und Netzwerkarbeit. Quelle: PM & Bild © Europäische Kommission
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