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Wie man bei Innovationen den Spitzenplatz behauptet

Dem neuen Leistungsanzeiger der Innovationsunion zufolge hat die Europäische Union im Bereich Innovation Fortschritte zu verzeichnen, verliert jedoch gegenüber einigen Mitbewerbern an Boden. Dies zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten ihre Anstrengungen zur Steigerung des Innovationspotenzials verstärken müssen, um Ideen in neue Arbeitsplätze und nachhaltiges Wachstum zu verwandeln. Durch Bündelung der Kräfte im Rahmen der Leitinitiative „Innovationsunion“ sollte Europa dazu in der Lage sein.

Innovation ist der Motor, der die Wirtschaft antreibt und die Grenzen des Machbaren immer weiter verschiebt. Außerdem schafft Innovation Arbeitsplätze und erschließt neue Märkte, was angesichts des derzeit schwierigen wirtschaftlichen Klimas unbedingt notwendig ist. Daher stehen für die EU die Anregung und Förderung von Innovation im Mittelpunkt. Im Oktober 2010 stellte die Europäische Kommission die Innovationsunion vor, eine ehrgeizige Strategie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und des Zugangs zu Finanzmitteln für Forschung und Innovation. Zugleich sollte die Aufmerksamkeit der Forschungs- und Innovationspolitik auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit, wie etwa Klimawandel, Energieeffizienz und demografischer Wandel, gelenkt werden.

Wie aber schneidet Europa bisher beim Innovationswettlauf ab? Um die Leistungsfähigkeit auf diesem Gebiet bewerten zu können, hat die Europäische Kommission kürzlich erstmals den Leistungsanzeiger der Innovationsunion (IUS) präsentiert, der auf dem bisherigen Europäischen Innovationsanzeiger – einem nützlichen Instrument zur Ermittlung potenzieller Maßnahmenbereiche – aufbaut und ihn ersetzt.

Der Anzeiger macht deutlich, dass in den meisten EU-Mitgliedstaaten trotz der Wirtschaftskrise eine vielversprechende Aufwärtsentwicklung bei der Innovationsleistung zu beobachten ist. Dies trifft insbesondere für die europäischen „Innovationsführer“ zu, einer Spitzengruppe, die Dänemark, Finnland, Deutschland und Schweden umfasst und deren Leistung – mindestens 20 % über dem Wert der EU-27 – das Potenzial internationaler Akteure erreichen oder sogar übertreffen könnte. „Während es keinen einheitlichen Weg gibt, innovative Spitzenleistungen zu erzielen, zeichnen sich die meisten Innovationsführer durch hohe betriebliche F&E-Ausgaben und andere Innovationsindikatoren aus, die in Bezug zur Tätigkeit der Unternehmen stehen“, merkt der Bericht an.

Der Spitzengruppe schließen sich die „Innovationsfolger“ (Belgien, Estland, Frankreich, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Slowenien, das Vereinigte Königreich und Zypern), die „mäßigen Innovatoren“ (Griechenland, Italien, Malta, Polen, Portugal, die Slowakei, Spanien, die Tschechische Republik und Ungarn) sowie die „bescheidenen Innovatoren“ an (Bulgarien, Lettland, Litauen und Rumänien). Auch wenn der Abstand zwischen hoher und niedriger Innovationsleistung in der EU erheblich ist, so hat sich doch die Kluft in den letzten Jahren verringert.

Maßnahmenbereiche

Trotz dieser Fortschritte verliert die EU gegenüber ihren internationalen Hauptwettbewerbern, den Vereinigten Staaten und Japan, jedoch weiter an Boden. So gibt es zum Beispiel einen schnell wachsendenden Rückstand bei den Lizenz- und Patenteinkünften aus dem Ausland, was darauf hindeutet, dass Europa weniger wichtige Patente hervorbringt als die Vereinigten Staaten und Japan. Und während die EU ihre Führung vor Schwellenländern wie Indien und Russland weiterhin behauptet, verzeichnet Brasilien stetige Fortschritte, und China holt schnell auf.

“Der Anzeiger macht deutlich, dass wir unsere Anstrengungen, Europa innovativer zu machen, verstärken müssen, damit wir unsere wichtigsten Konkurrenten einholen und wieder den Weg zu einem soliden und nachhaltigen Wachstum einschlagen können”, erklärte Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmertum.

Dem Anzeiger zufolge ist die Forschungs- und Innovationslücke Europas in erster Linie auf den privaten Sektor zurückzuführen. Diese Lücke ist bei den Lizenz- und Patenteinkünften aus dem Ausland als Indikator für wirtschaftliche Dynamik besonders groß. Die EU weist weniger wichtige Patente – d. h. solche, die hohe Einkünfte aus Drittländern erzeugen – als die Vereinigten Staaten und Japan auf und positioniert sich in Sektoren mit hohem Wachstumspotenzial international nicht gut genug.

Der Schutz des geistigen Eigentums stellt ein weiteres wichtiges Element dar. Derzeit zeichnet sich Europa zwar durch grenzenlose Märkte aus, Patente orientieren sich jedoch noch immer an nationalen Grenzen. Die Gewährung von Patentschutz für alle 27 EU-Mitgliedstaaten ist zur Zeit mindestens 15 Mal teurer als in den Vereinigten Staaten, vor allem aufgrund von Übersetzungs- und Anwaltskosten. Hier handelt es sich im Grunde um eine Innovationssteuer. Politische Entscheidungsträger sollten daher vorrangig zur Schaffung von Bedingungen beitragen, die den privaten Sektor zu mehr Investitionen bewegen und die Nutzung von Forschungsergebnissen durch die Wirtschaft erleichtern, insbesondere durch ein effizienteres Patentsystem.

Wie sieht das Profil innovativer Länder aus?

Der Leistungsanzeiger der Innovationsunion dient dazu, die Umsetzung der Innovationsunion zu überwachen. Er enthält 25 forschungs- und innovationsbezogene Indikatoren, um ein genaueres Bild der Gesamtsituation Europas liefern zu können und politischen Entscheidungsträgern die Identifizierung relativer Stärken und Schwächen in den Bereichen Forschung und Innovation zu erleichtern.

Mithilfe des Leistungsanzeigers konnten die gemeinsamen Merkmale von Ländern herausgearbeitet werden, die zur effizienten Förderung von Forschung und Innovation in der Lage sind, etwa durch eine solide Forschungs- und Innovationspolitik, zusammen mit erprobten Mechanismen zur Gestaltung und Umsetzung politischer Vorhaben (siehe Kasten).

Das Richtige tun

Anhand des Leistungsanzeigers konnte gezeigt werden, dass Länder, die eine Spitzenposition einnehmen, eine Reihe gemeinsamer Stärken im Hinblick auf ihre Forschungs- und Innovationssysteme aufzuweisen haben. Während es keinen einheitlichen Weg gibt, innovative Spitzenleistungen zu erzielen, zeichnen sich die meisten Innovationsführer durch hohe betriebliche F&E-Ausgaben und andere Innovationsindikatoren aus, die in Bezug zur Unternehmenstätigkeit stehen.

Sämtliche Innovationsführer haben beim Indikator für öffentlich-private Kopublikationen je Million Einwohner überdurchschnittliche Ergebnisse aufzuweisen, was auf eine solide Verknüpfung zwischen Wissenschaftsbasis und Unternehmen hinweist. Die innovativsten Länder Europas zeichnen sich außerdem bei der Vermarktung ihres technologischen Wissens aus, wie der Indikator für „Lizenz- und Patenteinkünfte aus dem Ausland“ ergibt.

Die Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Länder bei allen oder den meisten Indikatoren durchweg hohe Leistungen erbringen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Erfolg sich überragenden Leistungen in einer begrenzten Anzahl von Bereichen verdankt, die ein schlechtes Abschneiden bei anderen Indikatoren wettmachen.

Europas Ideenmaschine

Aufgrund seiner innovativen Spitzenleistungen genießt Europa einen erstklassigen Ruf, und einige wichtige Innovationen sind von der EU finanziert worden. So ist etwa Skype als Anbieter für Internettelefonie derzeit Marktführer und ein gutes Beispiel für das innovative Potenzial europäischer Zusammenarbeit. Der niederländische Physiker Andre Geim und sein britischer Partner Konstantin Novoselow haben den Nobelpreis für Physik für ihre Erforschung von Graphen erhalten, einem neuen Material aus Kohlenstoff, das aus einer einzigen Atomschicht besteht. Ihre Arbeiten wurden zum Teil von der EU finanziert.

Die EU verfügt über drei wichtige Finanzierungsinstrumente zur Unterstützung von Forschung und Innovation, die für den Zeitraum 2007-2013 mit Mitteln von insgesamt rund 140 Mrd. EUR ausgestattet wurden: die Strukturfonds, das Siebte Forschungsrahmenprogramm (RP7) sowie das Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP). Darüber hinaus unterstreicht die „Europa 2020“-Strategie die Notwendigkeit zur Verstärkung der Bemühungen im Bereich Forschung und Innovation im Rahmen der Leitinitiative „Innovationsunion“ (siehe Hauptartikel). Quelle: PM © Europäische Kommission

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